Vom Wert des Leberkäsweckles

Eine Erkundung zu Demenz und Gesellschaft am Fall Walter J. von Jörn Klare

Uraufführung



Ein Mann mit Geist. Der Geist schwindet. Der Mann wird immer hilfloser. Zuvor hat er deutlich gesagt, dass so ein Leben ohne Erinnerungen für ihn keinen Wert habe. In einem solchen Fall wolle er lieber sterben. Mit seiner Frau hat er verabredet, dass sie ihn dabei im Zweifelsfall unterstützt. Doch die Frau, deren Namen der Mann nach über 50 Jahren Ehe auch irgendwann vergisst, verweigert diesen letzten Dienst. Sein Geist sei weg, sagt sie, aber sein Gefühl sei da. Sie findet eine Pflegerin, die den Mann den größten Teil des Tages betreut. Und er, der einst bedeutende Bücher schrieb und große Reden hielt, erfreut sich nun an kleinen Tieren und Leberkäsweckle. In der Stadt, in der die beiden schon lange leben, sagen viele, dass die Frau ihren Mann verraten habe. Doch sie lässt sich nicht beirren.

 

In Deutschland leben geschätzt 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenz. (Durchschnittlich treten Tag für Tag etwa 900 Neuerkrankungen auf.) Auch Jörn Klares Mutter zählte in ihren letzten Lebensjahren zu den Betroffenen. Der Autor und Dramatiker sagt, dass auch für ihn die Diagnose ein Schock war. Und dass ihm die Geschichte von Inge und Walter Jens Mut und Kraft gegeben hat. Der Ordinarius der Eberhard Karls Universität Tübingen zählte zu den führenden Intellektuellen der BRD. Im Jahr 2004 begann seine Erkrankung. Neun Jahre später starb er. Am 8. März 2023 wäre er 100 alt geworden.




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