Quartett

von Heiner Müller (nach Laclos)



Quartett“ erzählt von einander durchdringender Liebe, Hass und Gleichgültigkeit. Ein bitterböser Kommentar auf die rationale aufklärerische Vernunft und eine Absage an tradierte Geschlechterrollen machen dieses Stück nach dem skandalisierten Weltbestseller „Gefährliche Liebschaften“ von Choderlos de Laclos zu einer großen Frage an unsere Gesellschaft.

 

Die Marquise de Merteuil und ihr ehemaliger Geliebter, der Vicomte de Valmont, treffen erneut aufeinander. Beide stammen aus einer von Dekadenz und Langeweile geplagten aristokratischen Oberschicht, die sich in rhetorisch geschliffenen Wortduellen und sexuellen Intrigen ergeht: Merteuil fordert Valmont heraus, ihre jungfräuliche Nichte Volanges zu verführen, er überlegt aber, die religiöse Madame de Tourvel zu entehren. Ein Spiel im Spiel entsteht und im Verlauf übernehmen die beiden sämtliche Rollen: Valmont spielt sich und die von ihm begehrte Tourvel, die Marquise spielt Valmont und ihre Nichte Volanges. „Quartett“ spielt gleichzeitig in einem Salon vor der Französischen Revolution und einem Bunker nach dem dritten Weltkrieg und stellt so geschickt die Frage nach den Werten der Aufklärung und ihrem Fortdauern. Im Theater auf dem Theater werden spielerisch moralische und sexuelle Grenzen und Gendernormen überschritten, um diese zugleich zu hinterfragen.


Premiere 12. Februar 2022



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