Sebastian Fink, Rolf Kindermann · Foto: Ken Werner
Andreas Guglielmetti, Sebastian Fink, Martin Bringmann, Rolf Kindermann · Foto: Ken Werner
Friederike Pöschel · Foto: Ken Werner
Sarah Liebert · Foto: Ken Werner
Rolf Kindermann, Martin Bringmann, Leo Kramer · Foto: Ken Werner
Rolf Kindermann, Andreas Guglielmetti · Foto: Ken Werner
Leo Kramer, Sebastian Fink, Rolf Kindermann, Friederike Pöschel, Sarah Liebert, Andreas Guglielmetti, Martin Bringmann · Foto: Ken Werner
Sarah Liebert, Martin Bringmann · Foto: Ken Werner
10: Friederike Pöschel, Leo Kramer, Andreas Guglielmetti, Martin Bringmann, Sarah Liebert, Rolf Kindermann · Foto: Ken Werner

Planet B

Science-Fiction-Comedy von Yael Ronen und Itai Reicher · 14+


Schwarzwälder Bote, 17. Februar 2026

Ebenso hintersinnig wie absurd, spöttisch wie doppelbödig

(von Christoph Holbein)

Und am Ende regieren die Bienen

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Reutlinger General-Anzeiger, 16. Februar 2026

Überschäumend makabrer Klamauk, mit Schauspielern, die in ihren skurrilen Rollen voll hinreißender Komik aufgehen

(von Thomas Morawitzky)

Überlebenskampf als Gameshow: Die Science-Fiction-Satire »Planet B« am LTT

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cul-tu-re.de, 14. Februar 2026

Erfrischend anarchische Bühnenkost

(von Martin Bernklau)

Besser aussterben

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Nachtkritik.de, 14. Februar 2026

Ein Text, der vor virtuos eingesetztem Wortwitz nur so strotzt

(von Verena Großkreutz)

Den Untergang genießen

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Schwäbisches Tagblatt, 14. Februar 2026

Eine bitterbös-superlustige Gameshow

(von Peter Ertle)

Kreuzfideles Massenaussterben

Karneval der Tiere: „Planet B“ von Yael Ronen und Itai Reicher, eine bitterbös-superlustige Gameshow, wird am LTT mit den bekannten LTT-Ingredienzen zum nächsten Stück fürs akademischere Bierzelt.

Das Beste an dieser Inszenierung: Boris Baumann, Hessen-Archetyp, Martin Bringmann muss sich damit nicht hinter Hape Kerkelings Horst Schlämmer verstecken. Nach Baumann kommt eine Zeitlang nichts, dann folgen allerdings gleich sieben tierisch gute Silbermedaillen, wir sind nicht in Cortina d‘Ampezzo, aber ein Wettkampf ist es doch: Aliens aus dem Weltall übernehmen angesichts der vom Menschen heruntergewirtschafteten Erde das Zepter und beschließen, irgendwo zwischen Sparmaßnahme, Sanierung und Rache, dass die bisher dort lebenden Geschöpfe verschwinden müssen. Nur zwei sollen ungeschoren davonkommen. Wer, das soll in einer Gameshow, einem Dschungelcamp der Arten ausgefochten werden.

Die Bronzemedaille wiederum geht an die Aliens, die eingangs in ferner Zukunft ein in Bernstein gegossenes Handy finden, über dessen Funktion sie so irrige wie belustigende Vermutungen anstellen wie über den Menschen, der es besessen haben muss, ein gewisser Max Schrammel. Die Aliens sehen alle so aus, als würden sie beim Hirschauer Narrenumzug mitlaufen. Trotzdem möchte das LTT das Stück auch noch nach dem Aschermittwoch aufführen.

Klar, das gesamte Szenario ist eine bitterböse Kapriole. Wie zum Hohn und zum Beweis hat Donald Trump, der den LTT-Spielplan offenbar genau studiert, einen Tag vor der Tübinger Premiere die Regeln für den Klimaschutz in den USA drastisch aufgeweicht. Vermutlich wird er Thorsten Weckherlin auf Truth Social einen Loser nennen, weht in dessen Inszenierung doch am linken vorderen Bühnenrad tatsächlich eine US-Flagge nah bei einem Gerippe und einer rauchenden Öltonne.

In Wahrheit gibt es keinen Planet B. Yael Ronens und Itai Reichers Untergangs-Arche Noah führt schon im Schicksal der Tiere einiges vor Augen, was der Mensch so verbockt hat, allerdings in Form einer überdrehten Kreuzung aus Science-Fiction und Comedy. Leise Töne oder das sprichwörtlich im Halse steckenbleibende Lachen? Man kann es suchen, man wird es finden, wenn man es bespielen will. Im LTT will man eher nicht. Hier folgt man dem Genre nicht nur, man überfüllt es, schüttet das Stück zu, mit jener publikumsträchtigen Rezeptur, die in dort das Erfolgsrezept vieler Inszenierungen ist. Nennen wir sie mal Max&Fuchs&Schlagertraum.

Und damit zu den noch nicht näher beschriebenen Gewinnern der Silbermedaillen. Diese Inszenierung ist großes Schauspielertheater, man nähert sich ihr am besten über die Rollen – ein einziges Maskenfest im Karneval der Tiere: Sebastian Fink macht die Ameise zu einem entindividualisierten Arbeitstier. Leo Kramers Krokodil ist großer Anhänger des Fressens und Gefressenwerdens, und beklagt nur zwei Dinge: Seine durch die Alien-Internierung problematische Verdauung und das Schicksal eines inzwischen ausgestorbenen Freunds auf Augenhöhe: des weißen Hais.

Sarah Lieberts Berliner Stadtfuchs wird mitten in der Show läufig, verliebt sich in Rolf Kindermanns Fledermaus, vielleicht weil der gleichzeitig ein ganz toller Singer- und Songwriter ist. Auch Andreas Guglielmettis Huhn reüssiert als Solokünstler, legt Ei auf Ei, und hat allen Grund, sich über Degenerierung und die Haltungsform unter menschlicher Dominanz zu beklagen, ist aber im Gegensatz zu Friederike Pöschels Panda darob noch nicht depressiv geworden.

Man sieht: Es geht ganz schön zu in diesem Dschungelcamp, dem Vinzenz Hegemann tolle Kostüme und eine eingebauter Show-Drehbühne gebastelt hat. Und vielleicht hat nicht nur der Ausstatter sich bei der Raumgestaltung für diese Inszenierung von KI beraten lassen, sondern diesmal auch Jörg Wockenfuß bei der Auswahl der Lieder. „In unserem Land dürfte es trübe Abende nicht geben, auch hohe Brücken über die Flüsse“, lässt er sogar Brechts Lied über den Selbstmord in diesen Abend, was wie ein Stilausrutscher klingt. Gleich danach will er mit Michael Jackson „a better place für you and for me“ draus machen. Darauf muss man erst mal kommen. Auch das Simon&Garfunkel-Intro und Outro „Sounds of Silence“ klingt angesichts dieser karnevalesken Kindertheatervorstellung für Ewachsene seltsam aschermittwöchig, wie auch das Black, das die Szenerie am Ende abrupt in dunkle Nacht taucht.

Also doch: Ein dünner Rand Sentimentalität am Horizont, ein paar Tropfen Katerstimmung. Vielleicht aus alter Gewohnheit der Bildungsanstalt Theater, zumindest als Alibi, um bei all dem Spaß kein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Denn eigentlich will man davon aus Gründen der Überlastung endlich, endlich, nichts mehr wissen.

So marschiert am Ende die ganze Arche Noah als menschliche Theaterschlange durch den Saal und das Krokodil fasst Frau Panda von hinten an die Schulter. Mit einem Forschungsergebnis der Aliens gesprochen: „Die Menschen waren sehr gut darin, unangenehme Tatsachen zu ignorieren, aber nicht so gut darin, sie zu überleben.“


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