Science-Fiction-Comedy von Yael Ronen und Itai Reicher · 14+
Schwarzwälder Bote, 17. Februar 2026
Ebenso hintersinnig wie absurd, spöttisch wie doppelbödig
(von Christoph Holbein)
Und am Ende regieren die Bienen
Mit der Inszenierung des Stückes „Planet B“ von Yael Ronen und Itai Reicher gelingt Regisseur Thorsten Weckherlin am Landestheater Tübingen (LTT) eine Science-Fiktion-Komödie, die einen humorvoll-bissigen Blick auf das Projekt „Erde“ wirft.
Das Spiel ist ebenso hintersinnig wie absurd, spöttisch wie doppelbödig: Wir blicken 40 Millionen Jahre in die Zukunft: In einer intergalaktischen Reality-Show, veranstaltet von Aliens als Nachstellung konkreter geschichtlicher Ereignisse vom Ende der Menschheit, kämpft der Mensch gegen Fuchs, Panda, Krokodil, Huhn, Fledermaus und Ameise um das Überleben. Es geht um die Frage, welche irdische Gattung auf den rettenden Planeten B ausgeflogen wird. Damit ist alles angerichtet für ein bunt-skurriles Treiben auf der Bühne, und Regisseur Thorsten Weckherlin ergreift die Chance dieses inszenatorischen Gestaltungsraums und schöpft kreativ kraftvoll aus dem Vollen, spart dabei nicht mit aktuellen Anspielungen: So liegt da ein Skelett, die US-amerikanische Flagge um die Schultern gelegt.
Bitteres Fazit: „Der Mensch hat es vergeigt“
„Der Mensch hat es vergeigt“, lautet das Fazit angesichts des von Menschenhand provozierten Massenartensterbens, bei dem täglich bis zu 150 Tierarten aussterben. Mit Gesang und Musik, mit Slapstick und Spock-Ohren der mit silbernen Lametta-Perücken ausgestatteten Aliens – Vinzenz Hegemann sorgt für fantasievolle Kostüme und ein ebenso lebendiges Bühnenbild – gelingt Weckherlin eine witzige Inszenierung mit sarkastischen Dialogen und einem mehr als ironischen Blick auf die Menschheit und ihr kulturelles Ritual des Theaterspielens.
Die Inszenierung fordert Akrobatik, clowneskes Talent und feinfühliges Interpretieren der tierischen Eigenschaften – vor allem Andreas Guglielmetti als Huhn und Friederike Pöschel als depressiver Panda brillieren – und verlangt von den Schauspielern intensives Agieren, was das gesamte Ensemble stark umsetzt. Das zieht auch das Publikum in den Bann und reißt die Zuschauer mit, die immer wieder mitklatschen. Die tänzerisch passende Choreographie, die aussagekräftige Mimik, die pointierte Gestik und die große Körperbeherrschung lassen die Premiere im großen Saal zu einem theatralischen Erlebnis werden voller Dynamik, Spielfreude und dramaturgischer Lebendigkeit.
Schauspielerische Details
Trotz aller ironischer Überzeichnung, manchmal auch platter, alberner Witzigkeit, trotz allen Wortklamauks und flacher Gags in Kintopp-Manier erreicht denjenigen, der genau hinzuhören versteht und das auch will, die glasklare Botschaft: In den Ozeanen sterben die Tiere, in den Ställen vegetieren die Geschöpfe in Massenhaltung vor sich hin, in den Gehegen verkümmern und verkrüppeln die Lebewesen seelisch zu Schauobjekten. Dazu liefert das Ensemble feine schauspielerische Details und eine authentische Übersetzung der Tiere in Bewegung und Charakter.
Das Spiel auf der Bühne ist unterhaltsam und kurzweilig, gefärbt mit Pointen und angereichert mit entsprechenden passenden Songs. Und um einen besseren Platz zu schaffen, ist manchmal die Evolution „erfolgreicher, wenn etwas nicht überlebt“ oder sich die Verhältnisse umkehren, wenn der Mensch auf dem Planeten B, dem Planeten, auf dem die Bienen regieren, plötzlich selbst zum Objekt wird, an dem herum experimentiert wird.
Am Ende mündet alles in das Show-Finale mit Polonaise durch den Zuschauerraum, Seifenblasen und dem Appell auf den T-Shirts der Crew: „Rettet die Kartoffel.“
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