Science-Fiction-Comedy von Yael Ronen und Itai Reicher · 14+
Schwarzwälder Bote, 17. Februar 2026
Ebenso hintersinnig wie absurd, spöttisch wie doppelbödig
(von Christoph Holbein)
Und am Ende regieren die Bienen
Reutlinger General-Anzeiger, 16. Februar 2026
(von Thomas Morawitzky)
Überlebenskampf als Gameshow: Die Science-Fiction-Satire »Planet B« am LTT
cul-tu-re.de, 14. Februar 2026
Erfrischend anarchische Bühnenkost
(von Martin Bernklau)
Besser aussterben
Das Tübinger Landestheater juxt mit Yael Ronens „Planet B“ locker und übermütig über all das Apokalyptische ab
Das befreit, das tut gut – den Schauspielern, den Theatermachern, dem Publikum: all die drohenden Weltuntergänge mal hemmunngslos zu verjuxen.. „Planet B“ von Yael Ronen und Itai Reicher ist eine „Science-Fiction-Komödie“, eine gnadenlos alberne Fabel, die ein finales „Massenaussterben“ zu einer Art Dschungelcamp-Contest der Arten macht. Mittendrin: der Mensch, in Gestalt des Versicherungsvertreters Boris Baumann. Am Freitagabend war die Premiere für Thorsten Weckherlins knallbunte Inszenierung in einem nicht ganz ausverkauften Großen Saal des LTT.
Für SciFi muss man ausgestattet sein. Das Intro geht ungefähr so: Aus dem Publikum erheben sich Aliens unter Lametta-Perücken, die einen splitternackten Max Schrammel aus Bottrop (Max Bajohr) und sein IPhone als archäologische Quelle auf der Bühne in ihre Mitte nehmen für ihr Vorhaben, sieben „Humanoiden“ beim unabwendbaren Massenaussterben die Chance für ein Weiterleben auf einem Planeten B zu bieten: einem Fuchs namens Juri (Sarah Liebert), der völlig frigiden Panda-Frau Friederike Pöschel, Leo Kramer als Krokodil, dem Huhn Andreas Guglielmetti, der Fledermaus Rolf Kindermann, der Ameise Sebastian Fink und besagtem Boris (Martin Bringmann).
Auch als Hausregisseurin am Berliner Maxim Gorki Theater hat die Israelin Yael Ronen für Furore gesorgt. Ihren von viel Improvisation, von Offenheit und Open End geprägten Stil hat sie auch auf das zusammen mit Itai Reicher fixierte Work-in-Progress-Stück „Planet B“ angewendet, das all die grassierenden Weltuntergangs-Ängste auf den Arm und mit ins rettende Raumschiff nimmt. Der theatralische Jux um die Apokalypse hatte im Sommer 2023 seine gefeierte Premiere am „Gorki“ in Berlin Mitte.
Viel Freiheit und Anarchie schon beim Blick auf Bühne und Kostüme (Ausstattung: Vincenz Hagemann). Da kann die Fantasie schon weit in ferne Welten schweifen. Manches bleibt mit einem Rest von Rätsel offen wie dieses Strampel-Fahrrad und die dampfenden Tonnen. Manches ist etwas platt und direkt wie das obligatorische Trump-Bashing mit dem Skelett, das seine Ami-Fahne um die knochigen Schultern trägt. Die kleine Drehbühne spuckt für die Auftritte ihre Kandidaten aus. Manchmal steigen sie auch aus dem Untergrund herauf ans Bühnenlicht unter dem großen Titel „Survivor“. Manchmal wartet man bei diesem Casting direkt auf einen ablästernden Dieter Bohlen.
Diese plakativen Einzelauftritte bieten eine Menge Möglichkeiten, revuehaft Schauspiel-Kunst als kleines Solo zu zeigen. Allerdings kaschieren sie auch die Schwäche des Konzepts und des Stücks. Da ist wenig Szenisches zu verdichten und bloß eine Menge Performance gefragt. Das betrifft auch den Text. Der Plot bietet wenig Spannung. Bei all der Fülle an wortwitzigen Gags hat er doch keine durchgängige Kraft. Es gibt Längen. Die etwas schlichte SciFi-Story trägt nicht ganz durch. Komödie mit getimeten Pointen statt gereihter Witze müsste mehr bieten.als „Witzischkeit“ – der Mensch-Humanoid Boris setzt da auch seinen hessischen oder odenwäldlerischen Zungenschlag ein. Die Musik von Jörg Wockenfuß hält zwar auch in den Songs das hohe LTT-Niveau, wirkt zuweilen aber auch etwas beliebig.
Alles in Allem: amüsante, erfrischend anarchische Bühnenkost, die sich ein bisschen halbsatirisch locker macht, statt vertiefter Grübelei über die Apokalypse zu frönen. Allerdings auch mehr knallbunte Comedy, weniger subtile Komödie. Eine nette Fingerübung. Ohne Zeigefinger.
Langer Beifall, Jubel, eine Polonaise rund ums Publikum.
Nachtkritik.de, 14. Februar 2026
Ein Text, der vor virtuos eingesetztem Wortwitz nur so strotzt
(von Verena Großkreutz)
Den Untergang genießen
Schwäbisches Tagblatt, 14. Februar 2026
Eine bitterbös-superlustige Gameshow
(von Peter Ertle)
Kreuzfideles Massenaussterben