Als Nächstes passiert: Ein das ganze Stück über namenlos bleibender Mensch mit großem Rucksack (Michael Mayer) kommt langsam herein, die Taschenlampe in der Hand. Er sieht sich um, geht vorsichtig voran, schaut lieber noch einmal auf einer Wanderkarte aus Papier nach und entdeckt dann das Zelt in der Mitte. „Dunkel“, konstatiert er.
Das Wort „dunkel“ ist eins der sehr wenigen gesprochenen Wörter im ganzen Stück; statt mit Sprache arbeitet die Inszenierung sehr viel mit clownesken Elementen. Die urkomische, liebevolle Inszenierung wird für Leute ab drei empfohlen – bei der Premiere waren auch augenscheinlich jüngere Besucherinnen und Besucher da, die sich offensichtlich auch amüsiert haben. Genau, wie die Erwachsenen übrigens.
Im Rucksack des Menschen rappelt und plappert es; auch vor der Bühne wird gekichert. Der Mensch untersucht das Zelt, schaut es sich genau an und spielt auf der Zeltwand Schattenspiele im Lichte seiner Taschenlampe. Irgendwann schlüpft er in das Zelt, richtet sich darin ein und öffnet es dann zum Publikum hin.
Ein Schlafsack liegt schon im Zelt, einen weiteren packt der Mensch aus; außerdem verschiedene andere Gegenstände: einen Plüschhasen, eine Lampe, ein Bilderbuch, ein Kissen. Im anderen Schlafsack brabbelt es weiter vor sich hin.
Der Mensch kuschelt sich in seinen Schlafsack und schaltet probeweise das Licht aus. Fürchtet er sich? Ja! Schnell wieder einschalten. Er rüttelt am anderen Schlafsack; eine Puppe, die dem Menschen ähnelt (gebaut von Nathalie Wendt), erwacht. „Dunkel“, sagt der Mensch. „Dunkel?“, fragt die Puppe.
Die Puppe tröstet den Menschen und liest ihm in Kauderwelsch-Sprache aus dem Bilderbuch vor. Dann möchte sie das Licht ausschalten, das will der Mensch nicht so richtig. Im Dunkeln erwachen ja schließlich die Gegenstände zum Leben, und ist das nicht gruselig? Ein wenig auf jeden Fall. Oder auch ein wenig witzig? Oder sehr witzig gar?
Vielleicht ist das Dunkel ja gar nicht so erschreckend, wie zuerst gedacht. Vielleicht ist es sogar ganz schön, sich der eigenen Angst zu stellen? Ein Theaterbesuch, der nicht nur Spaß, sondern auch Mut macht.