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Der abenteuerliche Flug einer Wühlmaus um die Welt von Torben Kuhlmann · Bühnenfassung von Adrian Paco Ammon · Uraufführung · 6+
Schwäbisches Tagblatt, 6. Dezember 2025
(von Jutta Garber)
Das Junge LTT hat die Geschichte der Flugpionierin Amelia Earhart nach einer Adaption von Torben Kuhlmann als Schauspiel produziert. In der Mediothek Dußlingen war Premiere.
"Fliegen heißt, ganz frei zu sein", schwärmt die kleine Wühlmaus Amelia. So wie die legendäre US-Amerikanerin Amelia Earhart einst ihren Traum vom Fliegen um die Welt wahr gemacht hat, will es auch die Wühlmaus Amelia im Kinderbuch von Torben Kuhlmann tun. Adrian Paco Ammon (Bühnenfassung und Regie) und Dramaturg*in Bo Wilschnack haben die Geschichte für das Theater unter dem Titel "Earhart" adaptiert. Am Donnerstagnachmittag ist Premiere in der Bücherei Mediothek Dußlingen. Rund 50 Kinder aus dem Kinderhort der örtlichen Anne-Frank-Schule sehen zu.
Hochkonzentriert folgen sie der Erzählung der Journalistin (gespielt von Susanne Weckerle), die über die Reiseabenteuer der Wühlmaus Amelia alias Amelia Earhart recherchiert hat. Die Fläche vor einem Bücherregal bildet die Bühne, die Ausstattung ist spartanisch. Lediglich ein Klappstuhl, einige Bücher aus den Regalen, ein Papierflieger und das "Funkbuch" sind die Requisiten. Mehr ist nicht nötig, denn Weckerle erzählt bildreich und spannend.
Wühlmaus Amelia will der beengten Welt der Wühlmäuse entkommen. Für die bilden die Grenzen ihres Gemüsegartens die Grenzen der Welt. Amelia will mehr, sie will die Welt erkunden. Auf einer Briefmarke entdeckt sie das Bild einer riesigen Katze aus Afrika, dorthin will sie. Doch wie gelangt sie dorthin? Sie recherchiert eifrig in Büchern, und der bekannte Mäuse-Pilot Lindbergh hilft ihr, eine Flugmaschine zu bauen.
An dem Tag, als die zu ihrem Flug aufbrechen will, findet sie die Flugmaschine zerstört in der Werkstatt vor. Es stellt sich heraus, dass die anderen Wühlmäuse sie zerstört haben. Sie bhielten den Apparat für eine Wühlmaschine und hatten sie entsprechend eingesetzt. Nur ein Haufen Schrott ist übriggeblieben. "Wir sind Wühlmäuse! WDu sollst eine Wühlmaschine bauen. Erst dann bist du eine echte Wühlmaus", beharren sie in ihrer kleinen Welt. Sie geben ihr eine Woche Zeit dafür. Amelia ist verzweifelt. "Die Wühlmäuse sind genauso engstirnig wie ihre Tunnel", kommentiert die Flugmaus Lindbergh und ermutigt Amelia, ihren Traum weiterzuverfolgen: "Niemand weiß wie, aber es wird funktionieren."
Wie das menschliche Vorbild Amelia Earhart kämpft die kleine Heldin gegen alle Konventionen und verfolgt entschieden ihr Ziel, in das Land der riesigen Katze zu fliegen. Mit einem Täuschungsmanöver gelingt es ihr doch noch, ihre Flugmaschine zu bauen. Und dann fliegt sie tatsächlich über den Gartenzaun davon. Das Volk der Wühlmäuse unter ihr ist sehr wütend. Der KLappstuhl der Bibliothek wird zum Flugapparat. Amelia fliegt immer höher und betrachtet die Welt unter sich. Nun ist sie glücklich.
Sie erlebt allerhand Abenteuer und trifft dabei die leibhaftige Amelia Earhart, die sie bestärkt, weiterzumachen. Schließlich gelangt sie nach Afrika. Sie rastet an einer Wasserstelle und trinkt durstig daraus. Die Schauspielerin Weckerle "schlürft" hierzu lautstark aus zwei Büchern, die sie sich vor den Mund hält. Das obere BUch trägt den Titel Wasser. In der Geschichte erkennt die Maus Amelia plötzlich einen riesigen Löwen, der ebenfalls am Wasserloch seinen Durst stillt. Im Stück wird das untere Buch sichtbar, das das Foto einer Hauskatze auf dem Titel trägt.
"Ein Löwe!" - mit einem gellenden Schrei wirft die Schauspielerin beide Bücher von sich. Die Kinder im Zuschauerbereich protestieren: "Nein, das ist eine Hauskatze!" Ein kleiner Disput entspinnt sich zwischen Weckerle und den Kindern, an dessen Ende die Schauspielerin bestimmt, dass das in der Geschichte nun mal ein Löwe si.
Die Maus Amelia reist weiter um die Welt, erkundet ferne Länder und kostet alle Speisen, die ihr unter die Nase kommen und spricht mit allen Mäusen, die sie trifft. Dann kommt sie im Flug über das Meer in ein Gewitter. Ihr Flugzeug wird dabei stark beschädigt, und die Berichte reißen ab. Wie bei der Havarie der amerikanischen Flugpionierin sei nichts weiter überliefert, berichtet die Journalistin. Die Geschichte von der fliegenden Wühlmaus Amelia endet hier, unvollendet.
Die Kinder werden aufgefordert, sich ein Ende der Geschichte auszudenken. Die Rettung über einen Fallschirm oder das Weiterleben auf einer einsamen Insel werden vorgeschlagen. Was in Wahrheit passiert ist mit Amelia Earhart, die als erste Frau den Atlantik im Alleinflug überquerte, das ist nach wie vor ungeklärt. Aber die abenteuerlustige Fliegerin habe ihren Traum wahrhaftig gemacht und ein spannendes Leben geführt. Und das sei das Wichtigste, schließt die Journalistin und Erzählerin und verlässt die Bühne.
Die Geschichte der Wühlmaus Amelia alias Amelia Earhart lehrt Neugier, Beharrlichkeit, Weitermachen, auch gegen Widerstände, und Vertrauen in die Verwirklichung des eigenen Traums: "Es wird funktionieren."
