Gilbert Mieroph, Niklas Marian Müller, Andreas Guglielmetti
Insa Jebens, Robi Tissi Graf, Andreas Guglielmetti
Gilbert Mieroph, Andreas Guglielmetti, Insa Jebens, Robi Tissi Graf, Niklas Marian Müller
Robi Tissi Graf, Insa Jebens, Gilbert Mieroph, Niklas Marian Müller, Andreas Guglielmetti
Gilbert Mieroph, Insa Jebens, Robi Tissi Graf, Andreas Guglielmetti, Niklas Marian Müller
Insa Jebens, Robi Tissi Graf, Andreas Guglielmetti, Niklas Marian Müller
Robi Tissi Graf, Niklas Marian Müller, Andreas Guglielmetti, Insa Jebens, Gilbert Mieroph
Niklas Marian Müller, Gilbert Mieroph, Andreas Guglielmetti, Insa Jebens
Andreas Guglielmetti, Insa Jebens, Niklas Marian Müller, Gilbert Mieroph, Robi Tissi Graf

Doping

Komödie von Nora Abdel-Maksoud · 15+


Schwarzwälder Bote, 3. Dezember 2025

"Grell und bunt, gegen den Strich gebürstet, gewürzt mit viel enthusiastischer Energie"

(von Christoph Holbein)

Spiel voller Enthusiasmus

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Schwäbisches Tagblatt, 2. Dezember 2025

"Sprachlich und ästhetisch ein Vergnügen"

(von Peter Ertle)

Und der Haifisch ohne Zähne

Der Untergang der Neoliberanic: „Doping“ am LTT ist ein satirisches U-Boot gegen eine Marktlogik, für die sich die kleinen Fische nicht mehr rentieren.

Man weiß ja nicht, was noch kommt, aber: Doping, letztes Jahr als zweites Stück Nora Abdel-Maksouds an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt, steht schon jetzt im Verdacht, das verrückteste Stück dieser Spielzeit am LTT zu werden. Sprachlich und ästhetisch ein Vergnügen, vom Thema her klar, zur Story-Verständlichkeit seien hier drei Zuschauer-Gesprächsfetzen beim Verlassen des Theaters zitiert: „Aber kannst du mir erklären, warum der Lütje …?“ „…“ – „Hat das denn jetzt funktioniert mit der Übertragung?“ „…“ – „Nein, das U-Boot ist doch gar keine Reichenklinik …“

Ja, war alles bisschen viel und schnell, und nein, genau, die Klinik tut nur so, als ob sie eine Spezialklinik für die Reichen wäre. Und, ganz generell: Ist doch schön, wenn Spielraum zum Nachdenken da ist und so viele Fragen.

Aber der Reihe nach und von hinten begonnen: Selten gab es ein theatralischeres und atmosphärisch stärkeres Schlussbild als hier, ein Nebelmeer mit Haifischbecken, wie ein Gemälde. Toll auch – und damit nach vorn und zu den Schauspielern – was eine Glatze mit Insa Jebens macht. Und es ist nicht nur die Glatze: Sie spielt ihren Dr. Bob an der Schnittstelle zwischen dem Hier und Jetzt und einem Fantasy-Cartoon. Okay, tendenziell gilt das hier für die meisten Figuren, auch für jene Frau, bei der man erst nach ein paar Minuten merkt, dass ein Mann drinsteckt: Gilbert Mieroph als Jagoda Hagenfels-Jefsen-Bohn, was für ein blöder Name, sicher ein großer Spaß beim Schreiben für die Autorin. Und ein Fest für Mieroph, für Jebens.

Bitterböse ist dieses Stück, das in dieser Inszenierung vielleicht einen Webfehler hat: Der in der Stückzuschreibung angeblich mitreißend reden könnende, von Leistung und Marktlogik überzeugte Politiker Lütje Wesel hat in der Verkörperung durch Andreas Guglielmetti so gar nichts von diesen Eigenschaften. So kann die unerwartet auftretende Schwäche in Form einer Inkontinenz auch nicht so grell kontrastieren.

Aber den eigentlichen Part des aalglatten Politikers mit wirtschaftsliberalem Credo übernimmt hier sowieso Ole Hagenfels-Jefsen-Bohn (Niklas Marian Müller), ebenfalls mit einer geheimen Schwäche behaftet: Er kann nicht öffentlich reden. Und bringt den deshalb von ihm unterstützten, nun aber coram publico strauchelnden Spitzenkandidaten Lütje flugs in eine Spezialprivatklinik. Dort hat erwähnter Dr. Bob eine Ärztin, Gesine (Robi Tissi Graf) die, oh wundersames Märchen, halb Mensch, halb Steiff-Tier ist, auch genau so aussieht und mit der besonderen Fähigkeit begabt ist, den Patienten ihre Leiden ab- und auf sich selbst zu nehmen. Jesusmäßig christlich also, ein Extremkontrast zur auf Rentabilität schauenden Macher-Erfolgslogik.

All dies im schönsten Fantasy-Absurdistan, als wär’s die zum Theaterstück ausgebaute Variante eines linken Kabarettabends, der sich zur Aufgabe gemacht hat, jetzt mal alle Lügen neoliberalen Menschenbilds im Gesundheitswesen und darüber hinaus der gesamten Gesellschaft bis zur Kenntlichkeit zu karikieren. Das gelingt auch deshalb gut, weil die Autorin genau hinhört in den aktuellen Sprech der Gesellschaft – und auch einiges an Theorie untergebracht hat, wenn auch so, dass wir es nicht merken. Weil, wer will schon Theorie auf der Bühne?

Vor allem arbeitet sie heraus, dass der Kern des Neoliberalismus auch nur Glaube und Placebo ist, Hokuspokus, eine möglichst auch vielen anderen einzuredende Selbsterzählung folgenden Inhalts: Es gibt Sieger und Verlierer, wer was ist, hat es verdient, wir sind ganz allein selber verantwortlich für unseren Erfolg und Misserfolg, der Staat muss nur günstige Rahmenbedingungen für klare Aufsteiger und rasche Absteiger schaffen, im Zentrum müssen gute Kapitalanhäufungsmöglichkeiten stehen. Falls dann noch Zeit und Platz ist, kommt vielleicht irgendwann noch der nicht primär durch seinen Geldbeutel definierte: Mensch.

Regisseurin Malena Große und Bühnenbildnerin Katharina Oleksinska finden für diese Satire eine schräge Spielform und einen deutlichen SF-Einschlag im Setting. Manche der Textpassagen werden wie im Musical gesungen (Musik: Hans Könnecke), die Figuren scheinen jenem Comic entsprungen, den Franziska Kuper dem Programmheft angedeihen ließ.

Spätestens wenn sich die Reichen-Klinik der Wunderheilermedizin-Koryphäe als U-Boot-Klinik mit Placebo-Methode und gemeinnützig-sozialer Zukunftsutopie demaskiert und in leichter Abwandlung zur Titanic auf einen dort gebunkerten Unterwasser-Geldberg von Herrn Jefsen-Bohn zurast, ist hier der Teufel los! Die Besatzung durch ein dickes Tau aneinandergekettet, alle im gleichen Boot. Bloß die einen halt mehr als die anderen, weshalb die beiden Frauen sich geschwind zu einer Abrechnung mit dem Patriarchat zusammentun. Und dann, ja dann, kommt es sogar zu einer Geburt, in tiefer See. Wird’s ein Heiland? Wird’s ein Haifisch?


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Reutlinger General-Anzeiger, 1. Dezember 2025

"Plakative Provokation"

(von Martin Zimmermann)

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cul-tu-re.de online, 30. November 2025

"So darf Satire sein: kontrovers und lebendig"

(von Martin Bernklau)

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