Der Revisor - Videos von Julia Novacek / Foto: Martin Sigmund
Justin Hibbeler, Gilbert Mieroph, Jonas Hellenkemper / Martin Sigmund
Rolf Kindermann / Martin Sigmund
Andreas Guglielmetti, Stephan Weber / Martin Sigmund
Rosalba Salomon / Martin Sigmund
Jonas Hellenkemper, Jennifer Kornprobst / Martin Sigmund
Rosalba Salomon, Rolf Kindermann, Jennifer Kornprobst, Stephan Weber, Andreas Guglielmetti, Justin Hibbeler, Jonas Hellenkemper, Emma Schoepe / Martin Sigmund
Justin Hibbeler Emma Schoepe, Rosalba Salomon, Jonas Hellenkemper / Martin Sigmund
Andreas Guglielmetti, Stephan Weber, Gilbert Mieroph, Jonas Hellenkemper, Jennifer Kornprobst, Rolf Kindermann, Emma Schoepe, Rosalba Salomon, Justin Hibbeler / Martin Sigmund
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Rolf Kindermann, Stephan Weber, Gilbert Mieroph / Martin Sigmund
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Emma Schoepe / Martin Sigmund
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Rosalba Salomon, Stephan Weber / Martin Sigmund
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Der Revisor

Von Nikolai Gogol · Deutsch von Ulrike Zemme


Schwarzwälder Bote, 6. Dezember 2023

Die Regie brennt ein Feuerwerk der Einfälle ab

(von Christoph Holbein)

Es ist eine grellbunte Inszenierung, welche die Zuschauer bei der Premiere des Stücks „Der Revisor“ von Nikolai Gogol im Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen erleben. Die Verwechslungskomödie kommt flott-frisch daher und nimmt das Publikum mit auf die turbulente Reise.

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Reutlinger General-Anzeiger, 4. Dezember 2023

Zombies im Freizeitclub: Gogols »Der Revisor« am LTT in Tübingen

(von Thomas Morawitzky)

Das LTT verwandelt Gogols Satire »Der Revisor« in eine überschäumende Kleinstadtfarce mit bitterem Unterton. Warum das nicht nur schrill, sondern auch sehr aktuell ist.

Diese Kleinstadt war möglicherweise ein Narrenhaus, schon ehe der Revisor kam. Wobei der Revisor ja eigentlich gar keiner ist, sondern nur für einen gehalten wird. Der falsche Revisor wird seinem Freund in der Stadt davon erzählen, wie es war in der Kleinstadt. Und dieser Freund, ein Schriftsteller, wird das Berichtete verarbeiten. Weshalb das LTT nun eine reichlich schrille Provinzposse im Programm hat. Nikolai Gogols »Der Revisor« ist nach wie vor ein oft gespieltes Stück, eine bösartige Satire, zeitlos zudem: Nur ab und an ein Wort musste das LTT streichen, so Dramaturgin Christine Richter-Nilsson, um einen Gegenwartsbezug zu schaffen, um etwa aus »Häftlingen« »Asylbewerber« werden zu lassen.

Das Gerücht vom Revisor, der inkognito kommt, eilt ihm voraus; Iwan Alexandrowitsch Chlestakow, ein liederlicher junger Mann aus reichem Hause, wird für ihn gehalten. Eben noch sitzt er, gespielt von Stephan Weber, pleite im Gasthaus, schon biedert sich die verkommene Kleinstadtgesellschaft ihm an. Er weiß erst nicht, wie ihm geschieht, begreift dann aber doch sehr schnell.

Gregor Turecek setzt bei seiner Inszenierung immer wieder auf Videos, verwandelt den Revisor so in eine trashige Klamotte. Ein Vorspann präsentiert die Schauspieler und ihre Rollen, lässt Chlestakow mit seinem Diener Ossip als Sozius per Zweirad anreisen, ein eitles Duo. Ossip (Andreas Guglielmetti) im dunklen Anzug scheint fortan der einzig Seriöse zu sein. Chlestakow selbst im kanariengelben Anzug mit ebensolcher Brille und steiler Frisur erlaubt sich alles.

Gilbert Mieroph ist Stadthauptmann Anton Antonowitsch, stets in kurzen Hosen, mit Stirnband, T-Shirt, Bart, teils grünen Taucherflossen. Juliette Collas schuf Kostüme und Bühnenbild, hat die Kleinstadtblase in einen schrägen Leisure-Club verwandelt, die Schauspieler in seltsam nostalgische Sportmode gepackt, mit Tennissocken in Rot-Weiß, schmutzig-gelben Gummistiefeln, kurzen Röcken, Polohemden. Jennifer Kornprobst als Antonowitschs Gattin trägt schimmernde Perücke und gelben Kunstpelz; Emma Schoeppe als Krankenhausdirektorin steckt im blauen Sportanzug mit Rüschen. Justin Hibbeler und Jonas Hellenkempner spielen zwei Figuren mit Badekappe, die sich den Rang ablaufen möchten.

Rosalba Salomon ist Antonowitschs Tochter, mit der sich der vermeintliche Revisor vermählen möchte, ehe er überstürzt abreisen muss – aus einem Brief, den die neugierige Postbeamtin öffnet, erfahren alle zuletzt die Wahrheit: »Ich bin drauf und dran, sowohl die Tochter als auch die Gattin des Stadthauptmanns aufs Kreuz zu legen. Ich kann mich nur nicht entscheiden, welche ich zuerst vernaschen soll, aber ich glaube, ich mach es zuerst mit seiner Frau, die ist für jede Schweinerei zu haben!«

Emma Schoeppe und Rolf Kindermann spielen jeweils mehrere Rollen, sind Krankenhausdirektorin, Postmeisterin, Schulinspektor, Kellner Polizist. Chlestakow räkelt sich lasziv in einer Badewanne, nimmt von jedermann dicke Geldbündel entgegen. Figuren verstecken sich in gekachelten Duschkabinen, recken Köpfe aus Bodenklappen, schreien sich über Brüstungen an. Irgendwann treten die Zombies auf: Ominöse Geschäftsleute mit Golfschläger machen sich an den Revisor heran.

Unverkennbar ist die Kleinstadt auf dem Lande bei Sankt Petersburg im LTT ein Gehege voller Knallchargen. Dem Ensemble bereitet diese Clownerie das allergrößte Vergnügen. Gogols Text in aktualisierter Form ist bitter genug. Emma Schoeppe kämpft sich kreischend aus ihrer Postbotinnen-Uniform, über Gilbert Mierophs Gesicht rauschen Wutanfälle, und Rolf Kindermann tritt als existenzialistischer Kellner auf, ruft, nur mit Schürze und Baskenmütze bekleidet: »Nichts gibt es sonst, nichts!«

 


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Schwäbisches Tagblatt, 4. Dezember 2023

Fake News und eine Gesellschaft am Abgrund

(von Moritz Siebert)

Es geht um falsche Nachrichten, Korruption und Hochstapelei: Nikolai Gogols „Der Revisor“ passt ziemlich gut in unsere Zeit. Das LTT macht eine hyperaktive Slapstick-Show daraus.

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cul-tu-re.de, 2. Dezember 2023

Gogol im LTT – Kritik und Klamauk

(von Martin Bernklau)

Das Tübinger Landestheater schärft die satirische Komödie aus russischer Zarenzeit mit viel Aktuellem und viel Multimedia an

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