Folge 5 - Wie das KJT-Team auf sprechende Kuhhälften, Eisschrankbewohner und Makrönchen-Fanatikerinnen traf

2. Juli 2013




   

DIE TOCHTER DES GANOVENKÖNIGS, die auch in Pforzheim gespielt wurde


Von Seltsamkeit und Schönheit mancher Stücke bei den Baden-Württembergischen Theatertagen in Pforzheim.

Die letzten zehn Tage haben wir, das ganze KJT-Team, bei den Baden-Württembergischen Theatertagen in Pforzheim verbracht. Dort gab´s bei glühender Hitze nicht nur massenweise Kinder- und Jugendstücke zu sehen, sondern wir kamen auch in den Genuss von Abendspielplan-Aufführungen, Workshops und Nachgesprächen.

Um euch einen Einblick in die sehr intensive und spannende Zeit dort zu geben, will ich euch ein paar schnappschussartige Momentaufnahmen aus Stücken beschreiben, die wir gesehen haben– die schönsten, schlimmsten, faszinierendsten und absurdesten Eindrücke vom Festival:

  • Ein flickenübersäter beigefarbener Stoffteddy mit traurigen Augen, der aus einer Kühltruhe gezogen wird
  • Schwarz flatternder Schnee, der von der Decke fällt neben einer Frau auf Highheels, über die sich aus einem kleinen Beutel goldener Regen ergießt
  • Eine dickliche, „gegen Hässlichkeit allergische“ Diktatorengattin, die von „Makrönchen“ schwärmt und sich eine Oper über ihr Leben wünscht - „als ob das schön wäre!“
  • Eine Windows-Fehlermeldung anstelle eines planmäßig an die Wand geworfenen Fotos und ein Techniker, der in Cargo-Hose quer über die Bühne rennt, um eine Hauskulisse zurechtzurücken
  • Schauspieler, an deren Knien Schuhe befestigt sind, sodass sie wie Halbzwerge staksen
  • Eine Medea in Stewardessen-Kostüm und mit pink glitzerndem Hütchen auf dem Kopf, die zum Song „Lila Wolken“ tanzt
  • Ein arabischer Königssohn, der fortwährend Rat bei seiner Mutter einholt – und ein Junge aus dem Publikum, der genervt „Och nee!!“ ruft, als der Prinz schon wieder Mutti fragen geht
  • Ein Mädchen, das mit hölzernen Gliedern aus einem Eisschrank steigt, einen Apfel auf ihren Kopf setzt und sich als filigrane Tanzfigur dreht
  • Eine Detektivgeschichte, deren Protagonisten unvermittelt beginnen, Gangnam-Style zu tanzen
  • Dädalus, der das gesamte Publikum mit weißem Wollfaden umspinnt und so ein Labyrinth erschafft; und Ikarus, der Federn von draußen mitbringt und beim Fliegen in ein blaues Tuch stürzt, das seit Beginn des Stückes als verheißungsvolles Zeichen des Meeres lockt
  • Margot Honecker, deren Satz „Als ich in Nicaragua war, steckte mir der Präsident dort einen Orden an die Brust“ von einem launenhaften Dolmetscher folgendermaßen interpretiert wird: „Der letzte Mann, der Frau Margots Brüste berührt hat, kam aus Nicaragua“
  • Paul Celans wunderschöne „Todesfuge“, die von einem deutschen Ex-Neonazi vorgelesen wird, der nach einer Klassenfahrt nach Auschwitz seinen deutschen Pass verbrennt: „...dein goldenes Haar Margarethe, dein aschenes Haar Sulamith“
  • Eine „liebevolle“ gealterte Ehefrau, die ihrem Gatten verkündet: „Mensch, Heinz, du hast dein Leben lang immer Reste gegessen – wenn du mal nicht mehr bist, muss ich mir´n Hausschwein zulegen.“
  • Ein Peer Gynt-Darsteller mit kariertem, verkehrt herum angeklebtem Bart, der Mädchen im Publikum anbaggert: „Isch komm dann nachher nochmal auf disch zurück, ne?“
  • Eine rollende Betonwand, die immer und immer näher rückt und eine Lehrerin und ihre bedrohliche Klasse auf engstem Raum zusammenpfercht
  • Eine in Hinterteil und Vorderteil aufgetrennte Kuh, deren zwei jeweils von einem Schauspieler repräsentierten Hälften miteinander kommunizieren
  • Eine grüngoldene moscheeförmige Uhr, die ein Ehepaar in Heinz-Erhardt-Optik dazu bringt, sich auf dem Bazar von Istanbul heillos zu verlaufen
  • Eine Ankunft am Meer, die nur durch sachtes Trommelschlagen und Möwenschreie Sand spüren und Silberwellen sehen lässt

Sooo, hoffentlich habt ihr ein paar Eindrücke von diesen inspirierenden Theatertagen gewonnen! Wenn euch die Stücke interessieren, die es in Pforzheim so zu sehen gab, schaut euch doch mal die Homepage der Theatertage an: http://www.theatertage-bw.de/

Vielleicht erratet ihr ja, welche Momentaufnahme zu welchem Stück gehören könnte... Ansonsten sind natürlich NINA UND PAUL, FEHLER IM SYSTEM und DIE TOCHTER DES GANOVENKÖNIGS zu empfehlen: Produktionen, die das KJT Tübingen auf dem Festival gezeigt hat...  Die nächste Folge meines Blogs mit weiteren aufschlussreichen Details aus dem Theaterleben könnt ihr am Freitag, den 5.7., hier lesen. Bis dann!







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