Jonas Breitstadt, Daniel Hölzinger · Foto: Martin Sigmund
Daniel Hölzinger, Jonas Breitstadt • Foto: Martin Sigmund
Daniel Hölzinger, Jonas Breitstadt • Foto: Martin Sigmund
Jonas Breitstadt • Foto: Martin Sigmund
Daniel Hölzinger, Jonas Breitstadt • Foto: Martin Sigmund
Jonas Breitstadt • Foto: Martin Sigmund
Daniel Hölzinger • Foto: Martin Sigmund
Daniel Hölzinger, Jonas Breitstadt • Foto: Martin Sigmund
Daniel Hölzinger, Kristin Scheinhütte, Jonas Breitstadt • Foto: Martin Sigmund
Jonas Breitstadt, Daniel Hölzinger · Foto: Martin Sigmund

Shopping Animals

Eine Show über Konsum und den Reiz der Dinge von Oda Zuschneid und Ensemble

Uraufführung

10+


Reutlinger General-Anzeiger, 23. April 2021

Wenn Konsum zum Hobby wird

(von Christoph B. Ströhle)

Das Junge LTT bringt mit „Shopping Animals“ eine knallbunte interaktive Spielshow auf die Bühne.

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Schwäbisches Tagblatt, 23. April 2021

Team Grün spielt gegen Team Rosa

(von Dorothee Hermann)

Die interaktive Spielshow „Shopping Animals“ am Jungen LTT bezieht auch die Zuschauer ein und navigiert zwischen schnell getakteten Gags, überraschenden Volten und Konsumkritik.

Es sieht aus wie eine Zauber-Show, in der sich im lila Licht Schauspieler in Tiere verwandeln. Einer ist ein Panda (Daniel Hölzinger). Der andere ist ein Känguru (Jonas Breitstädt), wobei das grünplüschige Beuteltier ebensogut ein paar andere Tiere (sowohl wilder als auch zahmer) darstellen könnte. Aber diese beiden Hingucker haben in der Show „Shopping Animals“ des Jungen LTT nur einen kurzen Auftritt. Überhaupt ist in der Inszenierung, nur wenig, was es scheint.

Am Mittwoch war Uraufführung auf der Werkstattbühne des Landestheaters Tübingen (LTT). Oda Zuschneid (Regie), die Leiterin des Jungen LTT, Twyla Zuschneid (Bühne, Kostüme, Dramaturgie) und das Ensemble haben die „Show über Konsum und den Reiz der Dinge“ entwickelt.

Als es losging, drifteten die Zuschauerinnen und Zuschauer in eine Welt von immer neuen eher schrottigen Produkten (Partyhut, knallgelbe Filzblume, Glitzertasche), die nacheinander auf einem Screen im Vordergrund aufpoppten oder ganz real auf der Bühne. Prompt wurden sie wichtig für ein Gedächtnis-Spiel, bei dem Team Grün und Team Rosa (jeweils eine Hälfte der Besucherreihen) gegeneinander antreten.

Die allermeisten Zuschauer bei der Premiere waren einiges älter als die gewöhnliche Zielgruppe eines Kinder- und Jugendtheaters. Banane, Buntstift, Wasserpistole sowie Spielekonsole und Harry Potters Zauber-Internat Hogwarts als Spielzeugmodell (Kostenpunkt 399 Euro) waren noch nah an der Kinderperspektive. Diese Wunschobjekte präsentierten die beiden Profis auf der Bühne auch mal wie in einer Erklärsendung im Fernsehen.

Um den Zusammenhang von Konsum und Warenwelt, Taschengeld und Kaufenkönnen klarzumachen, wurde ein Regal voller Schokoriegel aufgefahren. Das Regal war aus Pappe und deshalb leicht als Requisite zu erkennen; die Schokoriegel schienen jedoch echt zu sein. Während Leckermäulchen schon das Wasser im Mund zusammenlief, galt es, schnell zu überschlagen: Waren von fünf Euro Taschengeld mehr Twix, Kitkat, Mars oder etwa mehr Kitkat, Duplo, Twix zu ergattern? Oder war der vorweggenommene Genuss nicht noch süßer ist als der reale Biss in die Schokomasse? Ging das Rauf- und Runterrechnen bereits ein bisschen ins Zwanghafte?

Beispiele wie „noch ein Sakko, noch ein paar Schuhe, noch ein Röckchen“ sowie Papiertüten von Luxusmarken bildeten eher das Konsumverhalten von Erwachsenen ab. Doch Stakkatofragen wie „Erdbeer- oder Schoko-Eis?“ verwischten blitzschnell jeden Abstand zwischen den Altersgruppen. Und wer hatte eigentlich mehr auf der Pfanne? Der Schauspieler, der sich als Schauspieler und Moderator vorstellte oder der, der zudem noch Maskottchen und Influencer draufhatte? Fragen über Fragen, überrollt von der nächsten Sensation.

„Wann ist Kaufen eigentlich ein Hobby geworden?“, heißt es im Programm zum Stück. Ist Konsum „Verbrauch oder Luxus? Ein konditionierter Reflex oder das bewusste Sich-Einschreiben in die Wirklichkeit?“ Es fragt sich, ob sich diese Formulierungen tatsächlich an Kinder und Jugendliche richten, oder doch eher an Erwachsene, die bereit sind, sich jenseits von Flugscham noch ein paar Gedanken zu machen. Das gemeinsame Logo-Raten konnte hingegen ältere Zuschauer schocken: Wie schnell die Jüngsten im Saal sogar nur verschwommen erkennbare Markenzeichen zuordnen konnten.

 

Unterm Strich

Quietschbunt und künstlich wie Werbung für Kinder. Ein Abend, als tauchte man ein in ineinander verschwimmende Internetseiten, durch die man sich auf der Jagd nach immer neuen Schnäppchen und Sensationen klickt. Sogar die Kehrseite des grenzenlosen Kaufens (miese Arbeitsbedingungen, Umweltzerstörung) poppt zwischendurch auf. Will Kinder (und Erwachsene) zum Nachdenken über das Viel zu viel von allem bringen. Das ist ein sehr ehrenwerter Ansatz, bleibt aber etwas konstruiert.

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