Die erste Szene kommt komplett ohne Worte aus. Dennoch kann das Publikum erahnen, worum es in den nächsten 75 Minuten gehen soll. Auf einer Parkbank sitzen drei Personen in schwarzer Kleidung, gespielt von Yaroslav Somkin, Fenna Benetz und Sophie Aouami. Benetz sitzt in der Mitte, niedergeschlagen. Sie ist untröstbar, obwohl die beiden anderen alles versuchen. Aouami bastelt aus einem Taschentuch eine Blume, aber ihre Mitschauspielerin rutscht nur immer wieder ab auf den Boden und liegt dort in Fötus-Stellung. Sie trauert, das ist klar.
In „Die Rede des Panthers“ beim Jungen LTT sehen die Schülerinnen und Schüler in der Premierenvorstellung, was Theaterpädagogin Mirijam Kälberer ihnen zeigen will: „Sie akzeptieren, dass es kein Richtig oder Falsch gibt.“ Die Vielfalt der Perspektiven im Theater sei das, was die Kinder entdecken sollen. Einer denkt in der Trauerszene vielleicht an den Tod seiner Oma, der andere hingegen an den Umzug der Familie aus der vertrauten Heimat.
Der Panther bringt die Moral mit
Personen, Orte, Fehler und so weiter loszulassen, das lehrt der große schwarze Panther Sophia (Somkin) im Laufe des Stücks. So vielfältig wie die Perspektiven sind auch die Akteure, die in Episoden auftreten. Ein Komodowaran, der mit seinem Biss einen Büffel vergiftet und dann seinen Tod nicht wahrhaben will. Ein Strauß, der sich endlich traut, seine Scham loszulassen, indem er den Kopf aus dem Sand zieht. Ein junger Elefant, der seinen Opa verliert, bevor er ihm alles beibringen konnte, was er weiß.
Diese Fabeln sind mit Liebe zum Detail und mit Humor dargestellt, sowohl von den Spielenden als auch von Kostüm und Maske. Da gibt es Büffelhörner aus Haaren, Elefanten in übergroßen grauen Anzügen und einen Star im schillernden Federkleid.
Am Ende kehrt Sophia zurück und, wie es sich für eine richtige Fabel gehört, bringt die Moral mit. „Wenn wir uns an den Toten festhalten, ist die Welt verloren“, verkündet die mysteriöse Raubkatze. Stattdessen feiern die Spielenden lieber das Leben mit Musik.