Justin Hibberler, Solveig Eger, Sabine Weithöner, Foto: Martin Sigmund
Justin Hibbeler, Foto: Martin Sigmund
Justin Hibberler, Sabine Weithöner, Solveig Eger, Foto: Martin Sigmund
Justin Hibbeler, Sabine Weithöner, Foto: Martin Sigmund
Foto: Martin Sigmund

Die Präsidentinnen

Fäkaliendrama von Werner Schwab


Schwäbisches Tagblatt, 12. Oktober 2023

Knietief in der Scheiße

(von Justine Konradt)

Die neue Inszenierung von „Die Präsidentinnen“ am LTT bringt Heiterkeit, Entsetzen und Tiefgang gleichermaßen. Ein Stück, das sich lohnt.

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Schwarzwälder Bote, 7. Oktober 2023

Makabere Flucht vor der eigenen Sinnlosigkeit

(von Christoph Holbein)

Das Fäkaliendrama „Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab entpuppt sich in der Inszenierung von Thorsten Weckherlin am Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen als lustige Gesellschaftsparodie mit bitterbösem Nachgeschmack. Die Schauspieler brillieren in ihren Rollen.

Sie sind drei Klofrauen, in ihrer Existenz gescheitert und erbärmlich, die sich in der Wohnküche zusammenfinden und beim Anschauen der Papstmesse in imaginäre gedankliche Welten flüchten, um ihrer sinnlosen Existenz zumindest ein wenig Sinnhaftigkeit zu verleihen.  Im authentischen Bühnenbild, für das Vinzenz Hegemann liebevoll Detailreichtum kreiert, schafft Regisseur Thorsten Weckherlin in seiner Inszenierung viel Raum für markante Mimik und skurrile Figuren, was Sabine Weithöner, Justin Hibbeler und vor allem die brillante Solveig Eger nutzen, um ihre große Spielfreude auszuleben.

Obwohl das Agieren auf der Bühne im LTT-Oben nicht mit plakativen Elementen spart, wirkt die Gestik nicht aufgesetzt. Mit derber Sprache zelebrieren die Drei die witzigen Dialoge und untermalen damit eine pointierte, aberwitzige Regiearbeit. Schwabs Stück schreckt vor keiner noch so drastischen Fäkaliensprache zurück und offenbart dabei einen tiefen Einblick in die Abgründe des menschlichen Daseins. Im starken Mienenspiel der Protagonisten träumen sich die drei Klofrauen in ein besseres Leben, hacken aber doch nur aufeinander herum und kämpfen schreiend in Tiraden um Anerkennung.

Weckherlin arbeitet diese ironische Polemik fein heraus, gibt dem Sarkasmus breiten Raum, lässt seine Akteure schräg agieren und eröffnet damit in den Wortgefechten mit witzigen Sprachbildern die Möglichkeit für eine eruptive Spielweise, die flott auf den Punkt gebracht ist.

Ganz nach dem Motto: „Lustig sein ist der Blütenstaub für die Seele“ lässt der Regisseur seine Schauspieler drastisch agieren, ohne aus dem Rahmen zu fallen. Das ist in seiner ungeschminkten Absurdität unheimlich stark ausgespielt und gut komponiert. Die rasanten Wortwechsel sind fein ineinander filigran verwoben. Der Regisseur offeriert dem Zuschauer starke, anschauliche Bilder. Die Protagonisten echauffieren sich, wollen sich gegenseitig übertreffen, wer am meisten aus seinem Leben gemacht hat, und kämpfen dabei um Leben und Tod. Das Spiel ist dabei gut variiert in Lautstärke und Intensität.

Weckherlins Inszenierung gelingt es, die Bösartigkeit, das Abartige und Abgründige plastisch zu machen, stark zelebriert bis hin zum brutalen Ende mit dem Köpfen der Klofrau Mariedl, wenn – makaber – die Zunge für den Hund mitgenommen wird. Alles endet in einem Finale furioso mit Jodel-Lied und komödiantisch-sarkastischer Pointe: eine insgesamt starke Leistung.


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cul-tu-re.de, 2. Oktober 2023

Der Griff ins Klo

(von Martin Bernklau)

Das Landestheater Tübingen gräbt Werner Schwabs Fäkaliendrama „Die Präsidentinnen“ wieder aus.

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