Dennis Junge, Sabine Weithöner, Jennifer Kornprobst, Jürgen Herold · Foto: Martin Sigmund
Rolf Kindermann, Jürgen Herold · Foto: Martin Sigmund
Jürgen Herold, Dennis Junge · Foto: Martin Sigmund
Dennis Junge, Sabine Weithöner, Nicolai Gonther, Jürgen Herold, Jennifer Kornprobst · Foto: Martin Sigmund
Rolf Kindermann, Dennis Junge, Jürgen Herold · Foto Martin Sigmund
Jennifer Kornprobst · Foto: Martin Sigmund
Sabine Weithöner, Hannah Jaitner · Foto: Martin Sigmund
Jennifer Kornprobst, Nicolai Gonther · Foto: Martin Sigmund

Medea

Tragödie von Euripides · Deutsch von Peter Krumme


Schwarzwälder Bote, 25. Juni 2020

Hass und Verzweiflung im Gittergestänge

(von Christoph Holbein)

Die Inszenierung der Tragödie »Medea« am LTT besticht durch viele Einfälle

Sie hat sich viel einfallen lassen: Regisseurin Ragna Guderian bei ihrer Inszenierung von »Medea« im Saal des Landestheaters Württemberg-Hohenzollern Tübingen Reutlingen (LTT). Damit übersetzt sie die wahrlich für heutige Augen und Ohren sperrige Tragödie von Euripides in der aus dem Griechischen übertragenen Fassung von Peter Krumme in plastische Bilder, die plakative Einblicke in das Seelenleben der Protagonisten geben und zum Verständnis der Geschichte anschaulich beitragen.

Alles beginnt zunächst milchig durchsichtig hinter einer Plastikfolienwand, die vor der Bühne hochgezogen ist. Die Regisseurin arbeitet mit Musik. Die Kostüme – von Marianne Hollenstein in Weiß gehalten und mit ein paar treffenden Accessoires versehen – vermitteln einen Hauch von griechischer Antike. Dabei offenbart das Ensemble eine gute Beherrschung der Sprache, fein ziseliert sind die Variationen der Stimmlagen zwischen leise und laut, hell und dunkel. Die Gesichter weiß geschminkt lässt die Regisseurin ihre Protagonisten zwischendurch immer wieder in staksigen, stereotypen Bewegungen agieren. Da wird gesungen und gut abgestimmt im Chor gesprochen, untermalt von einer passenden Mimik.

Ragna Guderian vermittelt aussagekräftige Bilder. Manche Figuren lässt sie durch Ticks sich charakterisieren und schafft so eine besondere Authentizität. Zumeist agieren die Schauspieler glaubhaft gesteigert. Das ist gut interpretiert, einprägsam und originell: Die Lippen der sich Küssenden sind durch Plastikfolie getrennt. Als ein Stilmittel setzt die Regisseurin ein, in manchen Passagen Aussagen und Gesten wiederholen zu lassen. Ein Makel ist allerdings, dass nicht alles Gesprochene gut verständlich ist und vielleicht einiges an Spiel zu dick aufgetragen wird, etwa wenn die Protagonisten ihren Schmerz, ihren Zorn, ihren Hass, ihren Wahnsinn herausbrüllen.

Eindrucksvolle Bilder komponiert die Regisseurin, wenn sie die Figuren im Gitter-Klettergerüst agieren lässt, etwa wenn Medea das Eisengestänge wie eine schwere Last auf dem Rücken über die Bühne zieht oder Jason sich im unsäglichen Schmerz mit diesem und in diesem Gestänge verwindet. Manches ist beim Spiel überzeichnet. Manches etwas zu theatralisch. Eine besondere Note verleiht der Inszenierung der Auftritt von Puppen. Sie sind fein kreiert und sehr gut von den Akteuren geführt – da hat Dorothee Metz bei Puppenbau, -coaching und -regie beste Arbeit geleistet.

Insgesamt sorgt die Tragödie »Medea« am LTT für einen eindrücklichen und eindringlichen Abend mit ein bisschen pyrotechnischen Lagerfeuerzauber und glaubhaften, eruptiven Bildern voller Verzweiflung und Schmerz, eine überzeugende Interpretation der Geschichte der Königstochter Medea, die am Ende angesichts ihrer Entrechtung und des völligen Scheiterns von allem, an das sie geglaubt hat, im Strudel der menschlichen Interessen und Leidenschaften sich dazu entschließt, ihre Kinder zu töten.


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Reutlinger General-Anzeiger, 23. Juni 2020

Schmerz als Geben und Nehmen

(von Christoph Ströhle)

Ragna Guderian befremdet und fesselt mit ihrer »Medea«-Inszenierung am LTT. 

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Schwäbisches Tagblatt, 23. Juni 2020

Die Fremde aus Kolchos

(von Peter Ertle)

Aus aller Welt (aber schon 2500 Jahre alt): Um sich an ihrem Mann zu rächen, der sie für eine andere verließ, tötete eine Frau in Korinth nicht nur ihre Konkurrentin, sondern auch die beiden gemeinsamen Kinder. „Medea“ von Euripides – packend am LTT.

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nachtkritik.de, 21. Juni 2020

Vor dem Mord bitte Hände waschen

(von Thomas Rothschild)

Dem LTT ist eine eindringliche Inszenierung gelungen, die nach und nach einen zunehmenden Sog entwickelt. 

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