Grafik: Peter Engel

Erschlagt die Armen!

Schauspiel nach dem Roman von Shumona Sinha · Deutsch von Lena Müller


„Menschenrechte enthalten nicht das Recht, dem Elend zu entkommen.“


Eine junge Frau sitzt in einem Pariser Gefängnis in Untersuchungshaft. Am Vorabend hat sie in der Métro einem Migranten eine Weinflasche auf dem Kopf zertrümmert. Im Polizeiverhör sucht sie nach einer Erklärung für ihren Gewaltausbruch. Sie, selbst aus Indien nach Frankreich eingewandert und Dolmetscherin in der Asylbehörde, rekapituliert Szenen aus ihrem Pariser Alltag: Tag für Tag übersetzt sie die Aussagen derjenigen, die um eine Aufenthaltsgenehmigung kämpfen – wenn Armut und Elend es erfordern auch mit erfundenen Geschichten von politischer oder religiöser Verfolgung. War ihre Tat der Hilfeschrei einer überforderten Angestellten? Oder Ausdruck rassistischen Denkens? Auf wessen Seite steht sie? Sie befragt ihren Stammbaum, ihr Verhältnis zu ihren Eltern und ihrer Herkunft. Wem fühlt sie sich fremd gegenüber? Wem fühlt sie sich noch verbunden?

 

Shumona Sinhas wütender wie poetischer Text lenkt den Blick auf die Übersetzer*innen und Beamt*innen, die Richter*innen und Amtsärzt*innen, auf die Rädchen, die das Getriebe der europäischen Abschottungspolitik am Laufen halten. Sinha wurde 1973 in Kalkutta geboren und lebt seit 2001 in Paris. Nach der Veröffentlichung von „Erschlagt die Armen“ 2011 verlor sie ihre Arbeit als Dolmetscherin bei der französischen Asylbehörde. Ihr Roman wurde 2016 mit dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet.


Premiere 03. Oktober 2019



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